"Tack" * - für eine tolle Erfahrung

40.000 Pfadfinder treffen sich für 12 Tage in Schweden - und wer ist mitten drin dabei? Drei Leiter aus Reutlingen Nord, Fabian (Rutilo), Florian (Echaz) und Rebecka (Rutilo), scheuten weder Kosten noch Mühen, um am größten Weltpfadfinderlager aller Zeiten teilzunehmen. Hier ein Interview mit Rebecka.

Rebecka, Was ist eigentlich so ein Jamboree?

Der Begriff Jamboree kommt angeblich von einem indianischen Begriff für "friedliches Treffen aller Stämme", es ist also eine Begegnung von Pfadfindern aus aller Welt.
Das erste Worldjamboree wurde 1920 abgehalten - von und mit dem Pfadfindergründer Baden-Powell. Seitdem findet das Worldscoutjamboree ähnlich wie die Olympiade alle vier Jahre in einem anderen Land statt. Nach Großbritannien 2007 zum 100-jährigen Pfadfinderjubiläum hatte jetzt Schweden die Ehre das Gastgeberland zu sein.

Eröffnungsfeier des 22. World Scout Jamboree
Eröffnungsfeier des 22. World Scout Jamboree
Foto: Scouterna | Lizenz

Wie seid ihr auf die Idee gekommen am Jamboree teilzunehmen?

So genau weiß ich das eigentlich auch nicht. Wir (der Stamm) haben Werbematerial zugeschickt bekommen von der DPSG, hatten sonst allerdings recht wenig Informationen. Wir wussten, dass wir unsere Chance als Teilnehmer mitzugehen leider verpasst hatten, da jeder Pfadfinder aufgrund der Altersbeschränkungen nur einmal in seinem Leben die Möglichkeit hat als Teilnehmer auf ein Worldjamboree zu gehen. Trotzdem wollten wir uns es nicht entgehen lassen, ein World Scout Jamboree in Europa mitzuerleben.

Was macht man denn auf einem Jamboree, wenn man kein Teilnehmer ist?

Wir waren dort im Internationalen Service-Team (IST) und haben an der Durchführung des Lagers mitgearbeitet. Floh war zum Beispiel im medizinischen Bereich tätig, Fabi und ich waren im Programm.

Also musstet ihr die ganze Zeit arbeiten?

Nein. Wir hatten auch freie Tage und haben am Tag selten mehr als 8 Stunden gearbeitet. Wir konnten also auch das Jamboree-Feeling erleben.

Was ist das "Jamboree-Feeling"?

Das ist schwer zu beschreiben. Es ist einfach das Gefühl über einen Platz zu laufen, um einen herum 40.000 Pfadfinder, alle lachen, auch im Regen, viele verschiedene Kulturen haben Spaß miteinander und man spürt, dass man Teil von etwas wirklich Großem ist. Man muss es einfach selbst erleben.

Wie groß ist denn "groß"

In der Weltpfadfinderorganisation WOSM sind 30.000.000 Pfadfinder aus 161 Ländern von denen 150 mit auf dem Jamboree waren - weltweit gibt es nur in 6 Ländern keine Pfadfinder! Es gab auf dem Jamboree riesige Kontingente wie Großbritannien (die mit fast 4300 Leuten teilnahmen) und Länder, wie Nicaragua, die mit gerademal 2 Teilnehmern dabei waren. Insgesamt lebten 40.061 Pfadfinder für 12 Tage in Schweden.

Wie sieht ein Zeltplatz für so viele Pfadfinder aus?

Mit so vielen Pfadfindern waren wir für diese Zeit die viertgrößte Stadt Südschwedens und größer als die nächste Stadt der Region, Kristianstad (35.000 Einwohner). Der Platz war ein ehemaliges Truppenübungsgelände, das schon bei einem großen Nationallager Schwedens 2007 mit Infrastruktur wie Strom und Wasserleitungen für das Worldjamboree ausgestattet wurde. Insgesamt hatte der Platz eine Fläche von 800 Fußballfeldern, es wurden 1300 Toiletten aufgestellt und die Teilnehmer aßen 77.750 Bananen.

Wie lebten die Teilnehmer?

Der ganze Platz war eingeteilt in vier sogenannte "Towns", von denen drei für die Teilnehmer, einer für die ISTs reserviert waren. Die Teilnehmer-Towns waren wiederum in Subcamps unterteilt in denen die Teilnehmer in "Troops" zu 400 bzw. in Units zu 40 Teilnehmern zusammenlebten. In diesen Units wurde auch gekocht und gegessen.

Musstet ihr als ISTs auch selber kochen?

Nein, dafür hätten wir gar keine Zeit gehabt. Für die fast 9000 ISTs gab es eine große Kantine, in der dreimal täglich Essen serviert wurde. Das Essen war wenig abwechslungsreich, aber trotzdem gut. Es gab auch koscheres Essen für die jüdischen bzw. Halal für die muslimischen Teilnehmer.

Mitarbeiter-Kantine
Mitarbeiter-Kantine
Foto: Kim Rask/Scouterna | Lizenz

Wie habt ihr eure freie Zeit verbracht?

Die Teilnehmer hatten meist bis nachmittags Programm, danach gab es sogenannte "free time activities", wie z.B. klettern, einen Rollstuhlparcours oder auch einen Arabisch-Kurs. Außerdem konnte man sich bei den unterschiedlichen Teilnehmerländern umsehen oder im "Faith & Beliefs"-Bereich unterschiedliche Religionen kennenlernen.
Für uns IST-ler gab es auf diesem Jamboree zum ersten Mal ein eigenes Programm bei dem man sich in verschiedenen Bereichen fortbilden konnte.

Was war dein schönstes Jamboree-Erlebnis?

(die Augen leuchten) Einmal, als ich wie immer im Programm gearbeitet habe, hatte ich eine Gruppe indonesischer Teilnehmerinnen, die so voller Begeisterung waren, dass sie mich total mitgerissen haben.
Floh hat in einem seiner Einsätze einen Heiratsantrag bekommen, als er eine schwedische Teilnehmerin von grausamen Qualen befreit hat! (lacht)

Und was ist dein Fazit?

Riesenrad auf dem Rummelplatz
Riesenrad auf dem Rummelplatz
Foto: Eric Hampusgård/Scouterna | Lizenz

Ich finde, jeder sollte die Gelegenheit nutzen, auf ein Jamboree zu gehen, vor allem auch als Teilnehmer. Dabei sollte man sich nicht von den Kosten abschrecken lassen, man hat schließlich 4 Jahre Zeit, solange man den Plan früh genug fasst, das Geld (für Schweden immerhin fast 1000 €) zu sammeln, Sponsoren zu finden oder Ähnliches.
Wir drei werden auf jeden Fall versuchen, wieder mit dabei zu sein. Das Ziel für Fabi und mich wäre, mit unserem Trupp anzureisen - die Rutilixe haben schließlich genau das richtige Alter!
Die nächsten Jamborees finden übrigens 2015 in Japan und 2019 in den USA statt.

Wo kann man noch mehr Bilder vom Jamboree anschauen?

Natürlich haben wir viele eigene Fotos mit nach Hause gebracht und dazu gibt es ja noch die offizielle Bildergalerie der Veranstalter. Hier sind die Internet-Links zu den Bildergalerien:

*"Tack" = Schwedisch für "Danke"